Wir
vergeben und bitten um Vergebung". Diese
wichtigen historischen Worte richteten 1965 die
polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe.
Diese Worte initiierten auch vor 10 Jahren die
Gründung des Vereins POMOST.
1997 fand sich in Poznañ eine Gruppe von
Menschen, die ein gemeinsames Ziel hatten – sie
versuchten auf irgendeine Weise das Böse zu
reparieren, das sich zwischen den Deutschen und
Polen in den letzten 60 Jahren angesammelt hatte.
Die Gründer des Vereins waren Polen und auch
einige Deutsche. Bei der Gründung von Pomost
dachte man nicht an eine politische Bewegung,
sondern daran, das Bewusstsein der einfachen
Menschen zu bewegen.
Wir wollten die Polen erreichen, deren Bild von
den Deutschen in den Jahren des Kommunismus
verzerrt wurde. Wir wollten aber auch Deutsche
ansprechen und bewirken, daß bei dem Begriff
Polen nicht nur schlechte Assoziationen geweckt
würden.
Wir erinneren nämlich an Ereignisse aus den
Kriegsjahren, als Deutsche Polen das Leben
retteten. Wir erinnern an Polen, die, als sich
das Blatt wendete – Deutschen das Leben retteten.
Anfangs konzentrierten wir uns auf die
Dokumentation des Kriegsgeschehens im ehemaligen
Grenzgebiet zwischen Polen und Deutschland –
dabei handelt es sich um die heutige
Wojewodschaft Lubuskie. Als Ergebnis unserer
Arbeit erschien die erste Ausgabe unseres Buches,
das die Kriegsgeschehnisse im Januar 1945
behandelt, sowie das tragische Schicksal der
Zivilbevölkerung im Gebiet von
Trzciel(Tirschtiegel) und Pszczew(Betsche).

Während unserer Arbeit im Freien
entdeckten die Mitglieder von Pomost häufig
verlassene und verwahrloste deutsche Friedhöfe.
Auf dem Gebiet, wo im Januar 1945 gekämpft wurde,
entdeckten wir Soldatengräber.
Dies war ein wichtiger Impuls für
unsere weitere Arbeit. Wir begannen damit,
Kontakt aufzunehmen zu den
Selbstverwaltungsinstitutionen, die
verantwortlich waren für das Gelände, auf dem
sich diese Friedhöfe befanden.
Soweit keinerlei Probleme
auftraten bei den Soldatengräbern, die der
Stiftung "Pamiêæ" in Warschau gemeldet wurden –
es handelt sich bei dieser Stiftung um eine
polnisch – deutsche Institution, die die
Exhumierungsarbeiten des Volksbundes Deutsche
Kriegsgräberfürsorge e.V. auf dem Gebiet von
Polen koordiniert, so waren doch die
verwahrlosten Friedhöfe eine Sackgasse. Der
Gemeindekasse fehlte einfach das nötige Geld.
Wir konnten uns aber nicht damit abfinden, daß
die Erinnerung an die Menschen, die vor Jahren
über diese Erde gingen, hier arbeiteten und ihr
dienten - für immer verloren geht; wir wollten
uns auch nicht damit abfinden, daß an der
Stelle, an der die sterblichen Überreste von
Menschen begraben wurden, heutzutage ein
Müllplatz sein sollte. Wir begannen damit,
Kontakt aufzunehmen zu den deutschen Bewohnern
dieser Gebiete.
Nach fast einem Jahr der Suche
gelang es uns, offiziellen Kontakt aufzunehmen
zu den ehemaligen Bewohnern des Gebiets
Miêdzyrzecz(Meseritz). Diese Menschen fanden
sich wiedervereint im "Heimatkreis Meseritz".
Der Vorsitzende war Leonhard von Kalckreuth, der
mit großem Enthusiasmus unseren Vorschlag einer
Zusammenarbeit annahm. Heute können wir
behaupten, dies war der Wendepunkt. Alles ging
rasend schnell, und unsere Tätigkeit nahm an
Geschwindigkeit zu.
In Hinsicht auf die Unmenge an
Arbeit, die uns erwartete, mussten wir die
Tätigkeit unseres Vereins in bestimmte
Abteilungen einteilen. In der Zwischenzeit wurde
uns eine Unterstützung durch die Geistlichen der
Diözese in Landsberg zugesagt.
Im Juni 2001 organisierten wir
gemeinsam mit der katholischen Gemeinde in
Trzciel(Tirschtiegel), den ehemaligen Bewohnern
der Stadt und dem Gemeindeamt dieser ehemaligen
Grenzstadt den ersten ökumenischen Gottesdienst.
Zusammen mit dem Pfarrer und dem Pastor beteten
Deutsche, die 1945 diese Gebiete verlassen
mussten, gemeinsam mit Polen, die in demselben
Jahr auf dieser Erde hier ankamen, vertrieben
aus dem polnischen Osten.
Eben diese gemeinsamen Wurzeln
der Vertreibung aus dem Osten waren ein Element,
das Deutsche und Polen miteinander verband. Man
betete für die Kriegsopfer und den Frieden. Ein
Erlebnis war an diesem Tag dann noch das
gemeinsame Entzünden einer Paschakerze durch
Polen und Deutsche,, die als Geschenk aus
Deutschland mitgebracht wurde, mit den
aufgedruckten Jahresdaten: 1939 - 1945 - 2001.
Dieses Ereignis weckte auch ein
großes Interesse der Medien, da es ein
geschichtliches Treffen war, nach so vielen
Jahren gegenseitigen Misstrauens. Seit dieser
Zeit finden sich jedes Jahr in
Trzciel(Tirschtiegel) Polen und Deutsche zu
ökumenischen Treffen ein.

2002 gelang es uns, die Gemeinde
in Trzciel(Tirschtiegel) dazu zu bringen, einen
verwahrlosten und vermüllten evangelischen
Friedhof in Ordnung zu bringen Ein halbes Jahr
lang wurde das Gelände von den Einwohnern der
Stadt, vor allem aber von den Jugendlichen
wieder in Stand gesetzt. Im Juni 2002 wurde dann
feierlich ein Stein enthüllt in Gedenken an die
ehemaligen Einwohner der Stadt, aufgestellt an
der Stelle, wo eine Kapelle gestanden hatte, die
aber zerstört wurde. Das Friedhofsgelände wurde
in einen Park des Friedens umgewandelt.

Nach den Feierlichkeiten in
Trcziel(Tirschtiegel) gingen wir daran, weitere
oder ganz ähnliche Friedhöfe neu zu ordnen und
weitere Gedenksteine aufzustellen, diesmal in
Gemeinden auf dem Gebiet von Miedzyrzecz (Meseritz).


Auf diese Art und Weise stellte
man dank unserer Initiative geweihte
Gedenksteine auf und ordnete bei der Gelegenheit
Friedhöfe in den Ortschaften Wysoka(Hochwalde),
Rogoziñiec/Rogsen, sowie in Nowy
Tomyœl(Neutomischel), das zwar auf polnischer
Seite der Grenze liegt, wo aber vor 1945 eine
große Zahl Deutscher lebte.
Ende 2002 nahmen wir mit dem
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Kontakt auf, und man bot uns eine Zusammenarbeit
an. Diese Zusammenarbeit sollte darauf basieren,
daß wir von uns aufgefundene Gräber auch
exhumieren. Dies war für uns eine neue
Herausforderung, und nachdem wir etwa Mitte 2003
eine separate Abteilung für Kriegsarcheologie
angelegt hatten, begannen wir mit den ersten
Exhumierungsarbeiten.
2004 wurde uns vom Volksbund das
genaue Gebiet für unsere Grabungen zugeteilt.
Dies waren die Wojewodschaften Wielkopolskie und
Lubuskie.
Unsere Exhumierungsarbeiten
werden umfassend durchgeführt. Wir beginnen
direkt an den Stellen, wo sich mögliche Gräber
befinden bzw. wahrscheinlich befinden könnten.
Wir schätzen die Zusammenarbeit mit den Medien,
die über unsere Suche schreiben. Die direkte
Reaktion darauf sind neue Informationen über
andere Gräber. Es wird eine Erfassung
vorgenommen , eine Dokumentation wird erstellt,
die Eigentümer der Grundstücke werden
angesprochen und um eine Genehmigung zu
Grabungsarbeiten gebeten. Nach Erhalt einer
offiziellen Genehmigung durch die Wojewodschaft-
Behörden kann mit der Arbeit begonnen werden,
bei der auch ein Mitarbeiter teilnimmt, der den
Volksbund in Polen repräsentiert.
Bemerkenswert ist, daß wir bisher
in Polen in Hinsicht auf unsere Arbeit noch nie
missbilligende Reaktionen angetroffen haben. Die
Menschen sind ganz im Gegenteil immer sehr
hilfsbereit und reagieren mit großem Respekt auf
die sterblichen Überreste der Soldaten, die in
ihrer direkten Umgebung ruhen und bitten für sie
um eine würdevolle Beerdigung. Es ist zum großen
Teil eben der Bevölkerung zu verdanken – Zeugen
und Nachkommen von Zeugen tragischer Ereignisse
aus den Kriegsjahren – daß wir Grabstätten
auffinden. Dabei handelt es sich zum Teil um
Massengräber, manchmal aber auch um einzelne
Soldatengräber.
Wir wollen erreichen, daß dank
unserer Arbeit eine größtmögliche Anzahl an
Soldaten identifiziert wird. Daraus folgt, daß
die noch lebenden Familienangehörigen erfahren
können, wo genau der Ehemann, Vater oder auch
Grossvater begraben ist.
Im Laufe von vier Jahren wurden
über zweieinhalbtausend sterbliche Überreste von
Soldaten aus den bisherigen Soldatengräbern auf
die Kriegsfriedhöfe in Poznañ(Posen) und Stare
Czarnowo (Neumark) bei Szczecin (Stettin)
umgebettet. Dank unserer Bemühungen wurden sie
in würdevoller, christlicher Konvention beerdigt.
2001 lernten wir eine
Gruppe von ehemaligen deutschen
Soldaten kennen, die 1945 in Poznañ(Posen)
kämpften. Sie alle gehörten der
Hilfsgemeinschaft ehemaliger Posenkämpfer an,
die jedes Jahr am 23. Februar nach Poznañ kamen,
um gemeinsam Jahr für Jahr den Jahrestag der
Beendigung der Kämpfe um Poznañ(Posen) zu
begehen.

